Der Mutterpass
Das Abenteuer Schwangerschaft beginnt mit dem ersten offiziellen Dokument: Deinem Mutterpass!
In diesem Heft wird der Verlauf der Schwangerschaft dokumentiert und Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen festgehalten. Neben den Informationen zur Entwicklung deines Kindes findest du hier auch Angaben zur Größe, zum Gewicht und zur Lage im Mutterleib. Deine Blutgruppe und die des Kindes wird ebenso vermerkt, wie der errechnete Geburtstermin.
Den Mutterpass gibt es in gedruckter und in digitaler Form, wobei beide absolut identisch sind. Der Vorteil der digitalen Variante ist, dass dieser Teil deiner elektronischen Patientenakte ist und nicht verloren gehen kann; ebenso können ärztliche Befunde und Ultraschallaufnahmen digital hinterlegt werden. Unabhängig davon solltest du, egal für welche Variante du dich entscheidest, den Mutterpass permanent bei dir haben, da dort für mögliche medizinische Notfälle alle relevanten Informationen enthalten sind. Den Mutterpass erhältst du von deinem Gynäkologen bzw. deiner Gynäkologin oder deiner Hebamme, nachdem deine Schwangerschaft offiziell bestätigt wurde. Nachfolgend bekommst du einen Überblick, was genau auf welcher Seite notiert bzw. nachzulesen ist:
Untersuchungs-Zeitraum
& Untersuchungs-Inhalt
- S.1: Stempel des Arztes/der Klinik/der mitbetreuenden Hebamme
- S.2+3: Laboruntersuchungen und Rötelnschutz
- S.4: Bestimmung des fetalen RHD-Status / NIPT
- S.5: Anamnese und allgemeine Befunde / Erste Vorsorge-Untersuchung
- S.6: Besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf
- S.7+8: Gravidogramm
- S.9: Besonderheiten zu den Katalogen A und B
- S.10+11: Ultraschall-Untersuchungen
- S.12: Ultraschall-Kontrolluntersuchungen nach Anlage 1b
- S.13: Normkurven für den fetalen Wachstumsverlauf
- S.14: Weiterführende Ultraschall-Untersuchungen / Dopplersonographische Untersuchungen
- S.15: Abschluss-Untersuchung / Epikrise
- S.16: Wochenbett
- S.17-32: Seiten für eine zweite Schwangerschaft
- Mutterpass - Downloads & Empfehlungen
Quelle: Auszug aus dem Mutterpass
Herausgeber: Gemeinsamer Bundesausschuss
Stand: 08.2021
Der Mutterpass im Detail
Auf dieser Seite wird vermerkt, welche/r Gynäkologe/in dich während deiner Schwangerschaft betreut, in welcher Klinik du behandelt wirst und wer deine Hebamme ist. Zusätzlich können hier deine anstehenden Untersuchungstermine eingetragen werden.
Neben allgemeinen Angaben zu deiner Person (Name, Anschrift, Geburtsdatum) werden hier deine ersten wichtigen Untersuchungs-ergebnisse festgehalten. Dazu gehört beispielsweise deine Blutgruppe nebst Rhesusfaktor, was dazu dient, in eventuellen Notfällen die richtigen Entscheidungen zu treffen und zeitgleich notwendig ist, um eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen dir und deinem Kind ausschließen zu können.
Zudem werden Ergebnisse des Antikörper-Suchtest, der Röteln Impfung, dem Röteln-Antikörper-test, der Grippe- und der Keuchhustenimpfung (Influenza/Pertussis) eingetragen. Außerdem werden bei Bedarf Ergebnisse eines zweiten Röteln- & Antikörper-Suchtests notiert, sowie Angaben, ob auf Hepatitis B, Syphilis und Chlamydien getestet worden ist. (Definitionen dazu auf den Wörtern verlinken)
Der sogenannte “nicht invasive Pränataltest NIPT prüft den Rhesusfaktor des Blutes des ungeborenen Babys. Zusätzlich werden auf dieser Seite Informationen zu vorangegangenen Schwangerschaften festgehalten und eine Checkliste zur Beratung der Schwangeren kann gemeinsam mit dem Gynäkologen bzw. der Gynäkologin in einem Gespräch durchgearbeitet werden. Hierbei geht es vor allem um deine Ernährung, Themen in Bezug auf deinen Beruf, deine sportliche Aktivität und auf das Reisen als Schwangere.
Aber auch die gesundheitlichen Aspekte, z.B. Krebsfrüherkennungsuntersuchung, HIV-Test und die Mundgesundheit werden bewusst besprochen. Die Themen zur Geburtsvorbereitung, bzw. Schwangerschaftsgymnastik besprichst du meistens zusätzlich noch mit deiner Hebamme.
Untersuchungsinhalte
Diese Seite gibt allgemeine Informationen über deine Krankengeschichte wieder. Die insgesamt 26 Fragen führen unter anderem zu einer Einschätzungs-möglichkeit, ob es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt. Eine Risikoschwangerschaft ist nicht unbedingt gefährlich, man ist sich jedoch mancher Rahmenbedingungen einfach bewusster und überwacht diese sorgfältig und genau. Dabei sind die Gründe für eine Risiko-schwangerschaft sehr unterschiedlich: Das Alter der Mutter, das Gewicht, die Art und Weise wie die Schwangerschaft eingetreten ist und vorhandene Allergien haben Einfluss auf die Beurteilung.
Auf Seite 6 des Mutterpasses werden besonderen Befunde oder aufgetretene Belastungen festgehalten. Sollte hier etwas angekreuzt werden, lass dir von deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin erklären, was es damit genau auf sich hat. Sollte da irgendwas festgestellt werden, was sich auf deine Gesundheit oder die deines Kindes auswirkt, wird ein entsprechendes Aufklärungsgespräch ohnehin stattfinden. Zusätzlich wird auf dieser Seite der errechnete Entbindungstermin vermerkt, welcher nach den ersten Ultraschallaufnahmen nochmal korrigiert werden kann.
Das Gravidogramm ist eine tabellarische Übersicht mit vielen relevanten und interessanten Zwischenergebnissen der Vorsorgeuntersuchungen.
Hier lässt sich der Entwicklungsverlauf über die verschiedenen Schwanger-schaftszyklen hinweg sehr gut ablesen. In der Tabelle werden von links nach rechts erfasst:
Das Datum der Untersuchung
Die Schwangerschaftswoche, in der du dich voraussichtlich befindest
Eine Korrekturmöglichkeit für die angenommene Schwangerschaftswoche
Abstand des Gebärmutterrandes zu einem gewählten Messpunkt; dient der Identifizierung von Größe und Lage deiner Gebärmutter
Die Lage des Kindes verändert sich im Verlauf der Schwangerschaft unzählige Male. Relevant wird die finale Lage des Kindes erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft, da dann zum einen der Platz zum Drehen knapper wird und zum anderen eventuelle Auswirkungen auf die Geburt ersichtlich werden. Die unterschiedlichen Lagen des Ungeborenen Kindes (SL = Schädellage, BEL = Becken-Endlage,
QL = Querlage, S = Seitenlage) werden an dieser Stelle im Mutterpass festgehalten.
Du wirst überrascht sein – das Herz deines kleinen Schatzes schlägt mit 120-160 Schlägen pro Minute nahezu doppelt so schnell, wie dein eigenes! Entsprechende Werte werden hier notiert.
Das erste Zucken, das erste Strampeln, die ersten klitzekleinen Bewegungen – dieses Gefühl wirst du dein Leben lang nicht vergessen! Statistisch betrachtet wirst du das erste Mal zwischen der 18. und 20. Schwangerschaftswoche dieses unvergleichbare Gefühl erleben dürfen; die ersten Bewegungen festzuhalten kann weiteren Aufschluss über den ungefähren Geburtstermin geben.
Bei einem Ödem schwillt ein Körperteil an, weil sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Viele Frauen leiden im Verlauf der Schwangerschaft vor allem an Wassereinlagerungen in den Füßen.
Sogenannte “variköse” Venen kennen die meisten von uns als “Krampfadern”. Diese treten zumeist an den Rückseiten der Beine auf und lassen die oberflächlichen Venen sichtbar hervortreten.
Dein Gewicht wird hier festgehalten und fortgeschrieben. Durchschnittlich wirst du zwischen 12 und 14 Kilogramm während deiner Schwangerschaft zunehmen, wobei das Meiste davon erst ab dem zweiten Trimester geschieht.
Diese Hyroglyphen geben Angabe über deinen Blutdruck und sind sehr wichtig. Bei der Messung des Blutdrucks wird zwischen dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck unterschieden. Der systolische Blutdruck misst den Druck beim Herzschlag, wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht und dabei das mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Gefäße pumpt. Der diastolische Blutdruck misst den Druck auf die Gefäße, wenn der Herzmuskel erschlafft. Die Abkürzung RR steht im Übrigen für die Initialen des italienischen Mediziners Riva-Rocci, welcher die Methode zur Messung des Blutdrucks mittels einer pneumatischen Luftdruck-Manschette erfunden hat.
Eine weitere Abkürzung gilt es zu enträtseln: Hb steht für Hämoglobin Dieser in den roten Blutkörperchen enthaltene Stoff ist verantwortlich für den Sauerstofftransport in deinem Körper. Damit ausreichend rote Blutkörperchen gebildet werden können, benötigt dein Körper Eisen. Da dein Körper jedoch aktuell damit beschäftigt ist, mehr Blut zu produzieren, als für den eigenen Körper benötigt wird, um auch den deines Kindes versorgen zu können, leiden Schwangere häufig an einem sogenannten “Eisenmangel”. Diesem Mangel kann mittels Eisen-Präparaten entgegengewirkt werden. In der Regel werden diese Präparate durch den behandelnden Arzt bei Notwendigkeit verschrieben; alternativ kannst du auch allzeit Kontakt mit deiner Krankenkasse aufnehmen, die solche Präparate häufig bezuschussen.
Die Durchführung einer Urin-Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob Eiweiß oder Zucker darin enthalten sind. Ist Eiweiß enthalten, kann unter Umständen bereits ausreichend sein, deine tägliche Trinkmenge zu erhöhen. Bei bedenlichen Grenzwerten besteht die Möglichkeit einer “Schwangerschaftsvergiftung”, sodass dein Arzt hier weitere Untersuchungen in Hinblick auf Bluthochdruck und Ödeme sehr genau beobachten wird. Sollte Zucker enthalten sein, wird die Untersuchung erweitert und ebenfalls dein Blutzucker kontrolliert, um eine eventuelle Schwangerschaftsdiabetes festzustellen.
Die Untersuchung von Muttermund und Gebärmutterhals ist –
vor allem im dritten Trimester – von großer Bedeutung, da man so erkennen kann, ob dein Körper dazu neigt, das Kind deutlich vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt zu bringen. Das Thema einer Frühgeburt haben wir ebenfalls ausführlich für dich aufbereitet.
Bei dem Katalog B handelt es sich um die Auflistung der “Besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf”, wie wir sie auf Seite 5 des Mutterpasses bereits beschrieben haben. Sollte bei einer Vorsorge-untersuchung einer der Befunde festgestellt werden, wird die entsprechende Ziffer im Gravidrogramm vermerkt.
Untersuchungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse führen häufig zu Empfehlungen & Maßnahmen. Diese werden hier durch den Arzt vermerkt und für den weiteren Verlauf nachvollziehbar dokumentiert.
Sollte aus den vorangegangenen Tabellen irgendetwas auf eine Risikoschwangerschaft hindeuten, werden hier die veranlassten Maßnahmen festgehalten. Ebenso können hier Informationen zu stationären Behandlungen während deiner Schwangerschaft sowie Ergebnisse zu CTG-Untersuchungen eingetragen werden. Das CTG zeichnet die Herztöne deines Kindes auf und kontrolliert diese auf Unregelmäßigkeiten. Ebenfalls prüft das CTG die Wehenaktivität deiner Gebärmutter. Freue dich auf ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du das erste Mal dem Herzschlägen deines Kindes lauschen darfst – ein Liebeslied an das Leben sondergleichen!
Die Ergebnisse der drei per Gesetz vorgesehenen Ultraschall-untersuchungen werden auf den Seiten 10 und 11 des Mutterpasses festgehalten.
An dieser Stelle möchten wir
dir wärmstens ans Herz legen, deinen Gynäkologen bzw. deine Gynäkologin auf die erweiterten Ultraschall-Untersuchungen anzusprechen. Bei den erweiterten Untersuchungen werden weitergehende Untersuchungen zu Kopf, Rücken, Thorax und Rumpf gemacht, was bereits frühzeitig auf eventuelle Fehlbildungen schließen lässt. Zusätzlich bieten manche Ärzte bzw. Ärztinnen auch 3D-Foto- oder Videoaufnahmen deines ungeborenen Kindes an – die zwar meistens zusätzlich bezahlt werden müssen, jedoch jeden einzelnen Euro wert sind. Diese Aufnahmen sind unvergleichbar
& einzigartig!
Auf Seite 12 werden Informationen oder Befunde aus den durchgeführten Ultraschall-Untersuchungen notiert und festgehalten.
Untersuchungsinhalte
Die sogenannten “Normkurven für den fetalen Wachstums-
verlauf” geben in Hinblick auf drei bei den Ultraschall-Untersuchungen gemessene Werte Aufschluss darüber, wie sich dein Kind im Vergleich zum statistischen Durchschnitt entwickelt. Folgende Werte werden gemessen und bei der jeweiligen Schwangerschafts-woche, in der du dich während der Untersuchung befindest, eingetragen:
SSL = Scheitel-Steiß-Länge =
Die Länge des ungeborenen Kindes vom höchsten Punkt des Kopfes bis zum Steiß
BPD = Biparietaler Kopfdurchmesser = Querdurchmesser des Kopfes
im Mutterleib
ATD = Abdominaler Transversaldurchmesser = Querdurchmesser des Bauches von der linken zur rechten Seite
Untersuchungsinhalte
Sollten weiterführende Ultraschall-Untersuchungen oder Untersuchungen auf Basis der Dopplersonographie durchgeführt werden, bietet Seite
14 Platz, um die Ergebnisse daraus festhalten zu können.
Untersuchungsinhalte
Bist du auf Seite 15 angelangt, liegt die aufregende Zeit der Schwangerschaft bereits hinter dir. Hier werden sämtliche Details zur Geburt deines Kindes festgehalten und wie es dir und deinem Kind dabei ergangen ist.
Details zum “Wochenbett”, das heißt wie es dir und deinem Körper in den ersten Wochen nach der Geburt ergangen ist, werden zur Information auf Seite 16 notiert. Die dort getätigten Angaben sind vor allem bei einer zweiten Schwangerschaft interessant.
Die Seiten 17-32 im Mutterpass bieten Platz für eine zweite Schwangerschaft, daher bewahre dieses Heft besonders gut auf! Zusätzlich finden sich noch Hinweise auf die U-Untersuchungen für Kinder und das gelbe U-Untersuchungsheft, zu dem wir dir ebenfalls entsprechend aufbereitete Informationen zur Verfügung stellen möchten.
(Link einblenden)
Abschließend ein kleiner Hinweis:
Außer deinen behandelnden Ärzten darfst du jedem Einblick in deinen Mutterpass geben, dem du möchtest – ein Recht auf Einsicht hat allerdings niemand, weder Behörden, noch Arbeitgeber oder sonst irgendjemand.
Auf Hipp.de könnt ihr den Mutterpass digital durchblättern und euch weitere Detail-Informationen ansehen
