Schlafen, Schreien & Stillen

Tipps & Tricks

An dieser Stelle möchten wir dir mit ein paar ersten Tipps & Tricks zu den Themen Schlafen, Schreien & Stillen weiterhelfen. Uns geht es hierbei nicht primär um eine Auflistung an unterstützenden Produkt-Empfehlungen oder „Wunder-Weisheiten“, sondern darum, gemeinsam mit dir ein grundlegendes Verständnis zu entwickeln. Zu welchen Details lohnt es sich, auch mal in die Tiefe zu gehen und welche anderen Kleinigkeiten dürfen wir voller Zuversicht als Situationen wahrnehmen, welche uns lockere Gelassenheit lehren? Jedes Baby, jede häusliche Situation und auch jede Eltern-Kind-Beziehung ist einzigartig und so individuell sind auch die Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Ein paar grundlegende Dinge ziehen sich jedoch wie ein roter Faden durch die Geschichte und von einigen davon, möchten wir dir berichten.

Stillen - Die natürlichste Sache der Welt?

Stillen ist die natürlichste Art, ein Baby zu ernähren und bringt zusätzlich gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind mit sich. Es handelt sich beim Stillen um einen natürlichen Vorgang, denn Mutter Natur hat das Baby und die Mutter mit allem gerüstet, was in der Stillzeit benötigt wird. Während die Mutter über ausgeprägte Instinkte verfügt, wann ihr Kind welches Bedürfnis versprüft, besitzt das Baby unmittelbar nach der Geburt bereits alle Reflexe, um mit dem Stillen
starten zu können.

Dennoch muss dieser natürliche Vorgang oft gerade am Anfang erst erlernt werden. Nicht selten kommt es zu Beginn, aber auch im weiteren Verlauf der Stillbeziehung, zu Unstimmigkeiten. Bei entsprechend guter Beratung ist fast jede Mutter in der Lage, ihr Baby, auch im Falle von Mehrlingen, voll zu stillen, natürlich nur, sofern sie dies möchte. Stillen ist aber nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch essenziell wichtig für die Seele. Durch den engen Körperkontakt fühlt sich das Baby sicher und geborgen – eine wichtige Basis für eine gesunde, emotionale Entwicklung.

Mit dem richtigen Wissen und guter Begleitung kann das Stillen so werden, wie es sich die meisten Frauen wünschen: schmerzfrei, innig und einfach. Neben der professionellen (Start-) Begleitung durch ausgebildete Stillberaterinnen gibt es einige Empfehlungen, die wir dir gerne mit auf den Weg geben möchten:

Schreien - Wie viel ist "normal" und wie gehe ich damit um?

Das Babys ab und an mal weinen können, ist vielen Eltern bewusst, wenn sie ein Baby bekommen. Das aber manche Babys von Anfang an nicht wie gedacht viel Schlafen, die meiste Zeit über zufrieden sind und auch mal entspannt wach sein können, ist für die Eltern eine enorme Umstellung und Herausforderung zugleich.

Eltern von anspruchsvollen Babys, die häufig weinen, schlecht in den Schlaf finden und unruhig trinken, fühlen sich oft überfordert und auch erschöpft – körperlich & emotional. Bei vielen Paaren führt die Situation oft zu Konflikten, sozialem Rückzug und Schuldgefühlen.

Die intuitive elterliche Kompetenz wird hierdurch oft gehemmt und es entsteht eine Art Ohnmachtsgefühl, wenn das Kind auf kein Beruhigungsangebot der Eltern einzugehen scheint. Eltern sind folglich häufig zutiefst verunsichert und fragen sich, was sie falsch machen, denn spätestens im (gefährlichen) Vergleich, haben gefühlt „alle anderen“ entspanntere Babys, als man selbst. In diesen Situationen ist es äußerst wichtig, sich frühzeitig Hilfe zu holen, bevor die Situation eskaliert. Diese Hilfe bekommst du bei deinem Kinderarzt, bei Sozialen Trägern wie beispielsweise der Caritas, bei Schreibabyambulanzen oder speziell hierfür ausgebildete Hebammen, die „Schreiberatungen“ anbieten.

An dieser Stelle eine ganz, ganz wichtige Bitte: Schüttele niemals dein Baby.

Es ist vollkommen normal, dass man als junge Eltern in Situationen gerät, die einen aufzufressen scheinen. Hast du tage- , teils wochen- oder monatelang nicht mehr richtig geschlafen? Alles dafür gegeben, deinem kleinen Wunder zu helfen? Und dann kommt irgendwie eine Kleinigkeit zur nächsten? Beherzige bitte eines: Dein Baby schreit niemals, um dich zu ärgern.

Schau dir hierzu unbedingt den Flyer „Ihre Nerven liegen blank?“ vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen an. Zuzugeben, dass man auch mal schwach ist, das ist Stärke. Weinen als Eltern ist Stärke. Und sich aktiv Hilfe holen ist Stärke!

Zusätzlich haben wir von einer absoluten Baby-Schrei-Expertin eine Literatur-Empfehlung bekommen, dir wir dir keinesfalls vorenthalten möchten: „Mein sensibles kleines Wunder – von Marei Theunert“

Schlaf - der Evergreen unter den "gutgemeinten Ratschlägen"

Bei kaum einem anderen Thema bekommen Eltern so viele verschiedene Ratschläge, wie beim Thema „Babyschlaf“. Diese sind nicht nur meist ungewollt, sondern teilweise auch völlig veraltet und vollkommen gegensätzlich. Jeder weiß auf einmal besser, wie, wann und wo dein Baby am besten schläft und dabei berücksichtigt fast niemand, wie Babys rein physiologisch überhaupt schlafen können.

Der Schlaf gehört zum Leben dazu, wie das Essen und Atmen. Essen ist am Anfang verhältnismäßig unkompliziert, reduziert man es mal auf die beiden Möglichkeiten: Stillen & füttern per Flasche. Wir sind uns an dieser Stelle bewusst, dass sich das auch nur so einfach anhört, in der Praxis jedoch einiges mehr dahintersteckt. Das Atmen, als angeborener Reflex, geschieht automatisch, da können wir als Eltern auch relativ wenig beeinflussen. Aber über eine Sache spricht eigentlich kaum jemand: Manche Kinder können schlichtweg sehr schlecht einschlafen, schlummern trotz diverser Müdigkeitsanzeichen nicht friedlich ein und Eltern sind oft stundenlang damit beschäftigt, das Baby in den Schlaf zu begleiten. Und der Einfallsreichtum junger Eltern ist bemerkenswert: wippen, tragen, schuckeln, schaukeln, Auto fahren, auf einem Gymnastik-Ball hüpfen. Das bemerkenswerte daran ist, dass die Eltern nach so mancher Tortur meist selbst gerädert nur noch schlafen wollen und eine einzige Frage bereits im Hinterkopf lauert: Das Baby schläft endlich – doch für wie lange?

Wenn du dich für eine Schlafberatung interessierst, schau in deiner Stadt nach einem SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) oder einer freiberuflichen Schlafberatung. Achte hierbei unbedingt auf die gut fundierte Ausbildung des Schlafcoaches und die Arbeitsweise, da sich in diesem sensiblem Bereich teils fragwürdige Arten und Weisen eingeschlichen haben, die nichts mit dem ursprünglichen Gedanken einer Familie zu tun haben. Und wenn du gutgemeinte Ratschläge bekommst oder „zufällig“ irgendeine obskure Methode zu Erfolg in Form eines schlafenden Babys geführt hat, überlege genau, ob das auch für dich ein gangbarer Weg ist. Den gesamten Tages- und Abend-Rhythmus nach den (aktuellen) Schlafgewohnheiten des Babys auszurichten, kann sinnvoll sein – muss es aber nicht. Das Wichtigste ist, dass du jegliche „Zwänge“ ablegst („Das Kind darf maximal 30 Minuten zum einschlafen benötigen, weil ich muss dann noch die Küche aufräumen und bla bla bla“) und versuchst, dich entspannt gemeinsam mit deinem Baby dem Schlaf zu widmen. Habt ihr einen anstrengenden Tag hinter euch? Waren viele neue Eindrücke dabei, die erstmal verarbeitet werden dürfen? Sitzt da noch ein Pups quer? Und wie sieht es überhaupt mit dem Kuscheln aus, habt ihr heute schon genügend Nähe ausgetauscht? So wie für dich als junges Elternteil jeder Tag neue Dinge mit sich bringt, ist es auch für dein Baby. Und je selbstverständlicher du mit dieser „Unplanbarkeit“ umgehst, desto mehr überträgt sich deine Gelassenheit auch auf dein Baby, was für euch beide nur vorteilhaft sein kann.

Eine ganz allgemeine Anmerkung: In Grundsatzfragen, stell dir doch einfach mal die Frage: Wo kommen wir, historisch betrachtet, eigentlich her? Betrachte manche Themen evolutionär und die Antwort ist oft genau so einfach, wie unerwartet. Das wir in einem Raum lieber mit dem Gesicht, statt mit dem Rücken zur Tür sitzen, das versteht irgendwie jeder. Ist doch klar, lieber den Blick auf den Höhleneingang gerichtet, durch den eventuell eine Gefahr kommt, als diese nicht „im Blick zu haben“. Aber das ein Baby nicht 12 Stunden ohne Unterbrechung durchschläft, will adhoc irgendwie nicht ins Bild passen. Und wenn das Schreien, alle paar Stunden, lediglich dazu dient, „von der Herde nicht vergessen“ zu werden? Denn lasst uns mal ganz ehrlich sein: Ohne uns Eltern kann unser Baby zu Beginn rein gar nichts, also ist das Schreien für viele Monate seine einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen und „mitgenommen“ zu werden.

Eine hilfreiche Buch-Empfehlung zum Thema Baby-Schlaf ist: „Schlaf gut, Baby!“ – von Herbert Renz-Polster und Noral Imlau